IV. Der Geheimbund
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IV. Der Geheimbund



Die Mitglieder des Geheimbundes sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Zweckgemeinschaft. Verschiedenere Menschen hätten sich niemals finden können - und dabei fußt alles auf gemeinsamen Idealen. Das geht niemals lange gut. Dabei besteht der Geheimbund schon seit ein paar Jahren. Vielleicht auch deswegen, weil seine Mitglieder nicht einfach kündigen können. Immerhin könnte jedes ehemalige Mitglied die anderen verraten.
Aber über die Methoden und Vorgehensweisen ist man sich gar nicht einig und so kocht es im Topf, bis es irgendwann überläuft. Dann heißt es: In Deckung gehen!

Wichtig: Einige der hier aufgeführten Charaktere besitzen ein ursprüngliches Stammgesuch (in der Regel ihre Familie), aus dem die Informationen kopiert sind. Die Links bei den Charakteren führen zu ihren Stammgesuchen, die Nummern sind demnach nach den Stammgesuchen vergeben und damit in beiden Canons identisch.
Mehr über den Geheimbund an sich gibt es hier.



0.0 Wilhelm Wiesland - Der Großmeister [NPC]

dickköpfig - willensstark - Geheimniskrämer - besitzergreifend - sehr intelligent - schreckt vor Erpressung nicht zurück - idealistisch - gesteht niemals Fehler ein - diskutiert sehr offensiv - hat immer das letzte Wort - hinterhältig - nachtragend

Alter: 63 Jahre
Tätigkeit: Verleger der Mainzer Gazette
Beziehungsstatus: legid
Einstellung: unheimlicher Republikanist
Avatarperson: Ian McKellen

Wiesland ist ganz und gar keine einfache Person - im Gegenteil. Er ist besserwisserisch, lässt sich von niemandem etwas sagen, zieht seine eigenen Fäden im Hintergrund, manipuliert gerne Leute und weiht selten jemanden in seine Pläne ein. Aber er hat den Geheimbund ins Leben gerufen und führt ihn sehr erfolgreich.
Das ist überhaupt das Problem: Er ist ein Stinkstiefel, aber was er anfasst, wird quasi zu Gold. Selbst die aberwitzigsten Dinge sind ihm schon gelungen. Und er hat Verbindungen. Er kennt sogar Goethe persönlich, wenn auch von vor lange vor der Revolution. Obwohl er seine Zeitung für subtile, anti-französische Kritik missbraucht, hat die Zensur ihn noch nicht erwischt. Mit ihm will man sich nicht anlegen, er kaut einem buchstäblich ein Ohr ab.
Auch im Geheimbund ist er in vielerlei Hinsicht ein Streitpunkt. Er weiht die anderen selten in seine Pläne ein und respektiert deren Meinung kaum. Einzig die Tatsache, dass er etwas in die richtige Richtung bewegen kann, hält viele, obwohl sie ihn nicht mögen. Von seinen Logenräten bekommt Wiesland einige Kritik, aber die stört ihn offensichtlich nicht.
Die Franzosen mag er nicht, weil er seine liberalen Ideale von ihnen verraten sieht. Von den faulen mainzer Bürgern, die nichts für ihre Freiheit tun, hält er ebenfalls nichts. Eigentlich mag er gar keine Menschen, Tiere und Pflanzen. Steine ist okay.

4.1 Der Logenrat - Prestige gibt es auch im Untergrund

stolz - belesen - kritisch - hält sehr viel auf sich - fühlt sich leicht übergangen - hat gute Absichten - aber gelegentlich schlechte Methoden - kein großer Menschenkenner - idealistischer Vater - anspruchsvoll - arbeitslos

Alter: 45+ Jahre
Tätigkeit: arbeitslos
Beziehungsstatus: verwitwet
Einstellung: Republikaner

Er ist einer der Logenräte und der einzige, auf den Wiesland wenigstens ein bisschen hört. Wieso? Das weiß Gott allein. Denn er ist zwar ein kritischer und sehr intelligenter Mensch. Aber verschlagen ist er nicht und es mangelt ihm auch an Wieslands manipulativen Fähigkeiten Leuten gegenüber.
Er ist ziemlich ehrlich, auch wenn er damit oft aneckt. Aber seine Lebenserfahrung ist beträchtlich. Er war sogar schon in Indien, hat längere Zeit in England gelebt und sich ein beträchtliches Vermögen erworben. Nach Mainz kehrte er erst nach der Mainzer Republik zurück, als die Stadt gerade in den Händen der Preußen war. Er schloss sich dem Geheimbund seines alten Freundes Wiesland an und wurde bald ein führendes Mitglied, weil er Geld und Kontakte hat. Inzwischen aber ist seine Position teilweise zusammengeschrumpft. Er hat, gerade vor seinem Sohn, beträchtlich an Autorität eingebüßt, was an ihm nagt. Und obwohl er es nicht nötig hätte, macht es ihn wahnsinnig, keiner richtigen Arbeit nachzugehen, weswegen er sich damit beschäftigt, Informationen für den Geheimbund zusammen zu tragen.
Er ist kein ganz einfacher Mensch, aber im Grunde meint er es gut und ist enttäuscht darüber, wie wenig Respekt die Welt einem erfahrenen, gestandenen Mann wie ihm entgegen bringt.

2.2 Der Arzt - Heilt alle Wunden

ruhig - besonnen - ernst - liest (zu) viel - zurückhaltend - schweigsam - kritisch - frauenscheu - nicht besonders durchsetzungsfähig - mit dem "Ich habe dich gewarnt!"-Fluch belegt - friedensliebend - pedantisch - will es allen recht machen

Alter: 35-45 Jahre
Tätigkeit: Arzt (Internist)
Beziehungsstatus: alleinstehend (?)
Einstellung: Republikaner
Avatarvorschlag: Edward Norton (aus Der Illusionist)
Stammgesuch: II. Fabrikantenfamilie

Der gute Doktor genießt großes Ansehen in Mainz. Er gilt als einer der stilleren Befürworter der Französischen Revolution und der Mainzer Republik, war mit Georg Forster eng befreundet und im Stadtrat, als Mainz sich unabhängig gemacht hat. Trotzdem ist er unscheinbar, ruhig und verschwiegen, sodass die französische Regierung nicht auf ihn aufmerksam geworden ist.
Er ist ein hohes Mitglied des Geheimbundes, lehnt es aber kategorisch ab, irgendwelche Fäden zu ziehen. Eigentlich ist der arme Mann mit sich selbst gefangen. Ihm wäre es recht, wenn die Leute einfach vom Blitz getroffen würden und dann das täten, was das beste für sie wäre. Da der Rest der Welt aber nicht so elektroaffin ist, stößt er meistens auf Probleme und Widerspruch, besonders bei seinem lauten und irgendwie ein wenig peinlichen Bruder, dessen Anwesenheit alles durcheinander bringt.
Da beschränkt sich der gute Doktor lieber darauf, die Sorgen anderer zu horten, ihnen gute Ratschläge zu geben und sich ansonsten aus dem wahren Leben herauszuhalten. Besonders bei Avancen von Frauen hat er so seine Probleme. Vielleicht ist er einfach nur schüchtern, aber es gehen auch Gerüchte, dass er eine Vorliebe für Männer hat. Was wäre schon ein unbescholtener Bürger ohne Skandale? Richtig, langweilig!

1.2 Die Salondame - Revolutionärin & Mutter

Ziemlich vernünftig - mit praktischer Intelligenz gesegnet - diplomatisch - auf Äußeres bedacht - vielseitig - gebildet - launisch - modeverrückt - zitiert gerne höchst dramatisch Klopstock - hasst Goethes Gedichte

Alter: 38+ Jahre
Tätigkeit: Betreiberin eines Salons und Stadtratsgattin
Beziehungsstatus: verheiratet
Gesinnung: liberal
Avatarvorschlag: Cate Blanchett
Stammgesuch: I. Die Stadtratsfamilie

Die Frau Stadträtin, das weiß jeder, von ihrem Mann einmal abgesehen, ist eine Größe in Mainz. Ihr Salon ist weithin bekannt und wahrscheinlich nur deswegen noch nicht von den Franzosen als Enklave anti-bonapartistischen Gedankengutes erkannt worden, weil dort in der Regel nur Frauen oder scheinbar wenig interessante Männer verkehren. Keine Stadträte oder so. Natürlich behauptet sie ihrem Mann gegenüber, dort nur schöngeistige Literatur zu lesen, nur Klopstock und Co., nichts Aufrührerisches. Aber wer würde das wirklich glauben, außer ihr Mann?
Und immerhin gibt sie genug Geld für Mode und stilvolle Möbel aus, dass man, wenn man auf beiden Augen blind ist, nicht auf den ersten Blick bemerkt, dass die Dame scharfe Ansichten vertritt und jeden in Mainz kennt. Dabei ist sie keine Idealistin, mehr Diplomatin. Sie nimmt es ihrem Mann übel, die Seiten gewechselt zu haben, versteht allerdings, dass er das nur zum Besten der Familie getan hat. Und damit er kein Unheil anrichtet, lässt sie ihn einfach in dem Glauben, dass das gut so war.




3.2 Marie Morrel - Die Entschlossene [VERGEBEN]

aufbrausend - will endlich heiraten - kann sich nur schwer beherrschen - durchschaut ihren Vater - hat eine scharfe Zunge - hetzt gegen Bonaparte - sammelt heimlich Informationen für den Geheimbund - macht auch schon mal jemandem schöne Augen, wenn sie dafür an etwas Nützliches kommt - will unbedingt schießen lernen

Alter: 24 Jahre
Tätigkeit: -
Beziehungsstatus: verlobt
Gesinnung: Liberalistin
Stammgesuch: III. Die Franzosenfamilie

Ich bin Marie, das älteste Kind meiner Familie und versuche meinen Vater möglichst gut zu unterstützen, in dem Leben, das wir jetzt führen. Wir sind eigentlich Franzosen, aber ich versuche, mich möglichst unauffällig zu verhalten, wir brauchen mit Sicherheit keine Aufmerksamkeit, denn wir sind nicht ohne Grund nach Mainz gezogen. Abgesehen davon dass ich Informationen für den Geheimbund sammle warte ich, warte darauf, dass dieser Krieg vorbei ist und mein Liebster mich heiratet – bevor ich eine alte Jungfer bin.

3.5 Der Verlobte - Spion für die Guten

entscheidungsunfreudig - intelligent - vorsichtig - zurückhaltend - spricht nicht viel mit Fremden - will gar kein Offizier sein - fürchtet sich vor dem Krieg - realistisch

Name: Maximilian Delacour (Vorschlag)
Alter: 25 - 30 Jahre
Tätigkeit: Offizier
Beziehungsstatus: verlobt
Gesinnung: Liberalist
Stammgesuch: III. Die Franzosenfamilie

Nein, ein Feigling ist er nicht. Wenn es sein muss, dann kämpft er auch, sogar mit Waffen. Aber die Habgier Bonapartes scheint ihm kein Grund zum Kämpfen zu sein. Er ist Offizier geworden, weil sein Vater darauf bestanden hat. Vielleicht hat er sogar darauf hingearbeitet, nach Mainz versetzt zu werden, wo es nicht mehr viel Krieg gibt - natürlich, ohne es den Vater wissen zu lassen.
In Mainz hat er zudem zwei Dinge gefunden, die sein Leben verändern sollten: Erstens den Geheimbund, der noch immer die Ideale zu vertreten scheint, die die Revolution angetrieben haben. Und zweitens die kluge und schöne Tochter des Stadtsekretärs. Sie haben sich ineinander verliebt und sind nun verlobt. Allerdings kann er sich keine Hochzeit leisten, solange der Krieg noch tobt. Er könnte jederzeit abberufen werden und will sie nicht gebunden und unglücklich zurücklassen.
Umso mehr hat er sich dazu entschlossen, für den Geheimbund und vielleicht damit für sein eigenes Glück zu arbeiten. Er ist nicht gerne Spion in den eigenen Reihen und fürchtete beständig, aufzufliegen. Was keineswegs unberechtigt ist. Aber wenn so viel für ihn auf dem Spiel steht, kann er nicht anders: Er muss kämpfen.

4.2 Der Kaufmann von Mainz - Des Kämpfens müde

melancholisch - ernst - sammelt alte Bücher - friedfertig - handelt auch schon mal mit illegaler Ware - ruhig - idealistisch - nachtragend - neugierig - skeptisch - Wieslands großer Kritiker

Alter: 35 - 55 Jahre
Tätigkeit: Textilkaufmann
Beziehungsstatus: verwitwet
Gesinnung: Liberalist/Pazifist

Er sieht viel älter aus, als er eigentlich ist. Manche sagen, das kommt von den Sorgen. Die letzten paar Dutzend Jahre sind für ihn nicht gut verlaufen, dabei ist er reicht wie Krösus.
Er ist ein gewissenhafter Kaufmann, der niemals betrügen oder einen unlauteren Vorteil ausnutzen würde. Trotzdem ist er erfolgreich, weil er sich Mühe gibt und klug spekulieren kann. Aber für sein persönliches Glück hat ihm das nicht geholfen.
Er hat sich für die Mainzer Republik eingesetzt, was in einen Krieg führte. Zeitweise wurde ihm der Handel ganz verboten, nun muss er im Sinne der Franzosen spekulieren. Seine geliebte Frau starb vor einigen Jahren bei der Geburt der einzigen Tochter, der Rest seiner Verwandtschaft ist schon vor der Übernahme der Stadt durch die Franzosen geflohen.
Und selbst der Geheimbund, dem er sich nach der Niederlage der Mainzer Republik bereitwillig angeschlossen hat, scheint ihm nur noch Kummer zu bereiten. Wieslands Methoden und Absichten gefallen ihm gar nicht. Auch die Unstimmigkeiten unter den anderen belasten ihn sehr und so sehr er sich auch um Schlichtung bemüht, es gelingt ihm einfach nicht.
Mit dem Arzt und manchen anderen Mitgliedern ist er gut befreundet und das ist vielleicht der einzige Grund, weswegen er noch aktiv dem Geheimbund hilft: Weil er seinen Freunden helfen will. Trotzdem fühlt er sich ausgenutzt und übergangen. Wer weiß, ob das noch lange gut geht.

4.3 Der Angsthase - Ich komme viel zu spät!

nervös - immer unterwegs - perfektionistisch - weiß immer alles - muss es jedem mitteilen - ist etwas tollpatschig - und immer zu spät - wäre gerne ganz anders - bewundert die Offiziere - ist aber irgendwie feige - würde gerne reisen - will etwas erleben - aber nicht zu viel

Alter: 25 - 30 Jahre
Tätigkeit: Schreiber bei der Verwaltung
Beziehungsstatus: ledig (?)
Gesinnung: Liberalist

Er kann eine ziemliche Nervensäge sein. Immer weiß er etwas zu erzählen, aber gelegentlich ist es ziemlich peinlich. Er drängt sich gerne in den Vordergrund und nimmt sich wichtig - dabei fängt er an zu stottern, wenn er vor mehr als zwei Personen reden muss und ist nicht gerade eloquent.
Er ist viel mehr ein Tollpatsch, der oft ungewollt Chaos anrichtet und nicht selten Ärger dafür bekommt. Dabei will er es ein Stück weit nur allen recht machen und sich beliebt. Vielleicht ist das der Grund, weswegen er dem Geheimbund beigetreten ist. Eigentlich liegt es in der Familie. Immerhin ist sein Vater ja sogar Mitglied des Logenrates. Da muss er ja mitziehen. Aber obwohl er die Ideen des Geheimbundes prinzipiell nicht schlecht findet, ist er in erster Linie aus anderen Gründen dabei. Zum Beispiel, um die Damen zu beeindrucken und ein wenig das Gefühl zu haben, ein Held zu sein. Oder wenigstens, etwas Verbotenes zu tun.
Er lässt sich nicht gerne tadeln, besonders nicht von seinem Vater, weswegen es gelegentlich zu Eskalationen zwischen den beiden kommt. Manchmal auch in Anwesenheit Dritter. Hoffentlich mündet das alles nicht eines Tages in eine Katastrophe ...

2.3 Die Aufgeklärte - Freiheit für alle!

selbstbewusst - haut auch mal mit der Faust auf den Tisch - mag naive Menschen nicht - fordert Freiheit und Gleichheit für alle - hätte gerne Kinder - zeichnet wunderschön - besucht eifrig den liberalen Salon der Stadtratsgattin - mag die Franzosen nicht - liest Schillers Räuber am liebsten laut - quält alle mit selbstgedichteten Freiheitsliedern

Alter: 30 - 35 Jahre
Tätigkeit: Arzthelferin für Fortgeschrittene
Beziehungsstatus: verheiratet
Einstellung: Liberalistin
Avatarvorschlag: Ruth Wilson oder Emma Thompson (aus Sense&Sensibility)
Stammgesuch: II. Fabrikantenfamilie

Die Schwester des Fabrikdirektors lebt mit ihrem Mann zusammen im Haus der Familie, in dem auch der Doktor seine Praxis hat. Es ist geräumig und die drei kommen eigentlich bestens miteinander aus, wäre da nicht plötzlich der Älteste wieder aufgetaucht und würde Radau machen. Dabei ist das eigentlich ihre Aufgabe, wenn auch mit mehr Stil. Sie ist energisch, tritt für ihre Sache ein und kann es überhaupt nicht leiden, wenn dumme Menschen dumme Dinge sagen - dementsprechend stehen die Zeichen auf Sturm, seit ihr Bruder wieder da ist.
Anders als der Doktor macht sie kaum einen Hehl daraus, dass man Bonaparte anzünden und die Aristokratie abschaffen sollte und es bedarf schon einiges Aufwandes, dass sie das nicht auf offener Straße kundtut. Der Verlauf der Revolution hat sie frustriert und der Geheimbund ist ihr, obwohl sie dazugehört, zu undurchsichtig und selbstsüchtig. Auch privat hat sie ihr Päckchen zu tragen. Die Lage ihres Mannes belastet sie und ihr Kinderwunsch wurde bis jetzt noch nicht erfüllt.

2.4 Ex-Offizier - Der einarmige Zinnsoldat

melancholisch - ernst - verschlossen - zynisch - willensstark - spielt gerne Schach - reitet oft aus - tanzt sehr gut - steht seiner Frau nur widerwillig Modell - ignoriert den Fabrikbesitzer, so gut es geht - trägt heimlich Zuhause seine alte Uniform - schreibt Briefe in alle Welt - ist sehr interessiert an Entdeckungen und Reisen

Alter: 30 - 40 Jahre
Tätigkeit: Ex-Offizier
Beziehungsstatus: verheiratet
Gesinnung: Anti-Bonapartist
Avatarvorschlag: Blake Ritson oder Hugh Jackman (in Les Miserables)Stammgesuch: II. Fabrikantenfamilie

Der ehemalige Offizier im Dienst der mainzer Garde und später im Kampf gegen die Besatzer ist gemeinhin ein eher trauriger Anblick. Er hat in einer der vielen Schlachten seinen Arm verloren und ist nun ohne Beschäftigung, denn für Kriegshelden der falschen Seite haben die meisten Arbeitgeber nicht viel übrig. Aber er wollte auch nicht für die Franzosen arbeiten. Dabei ist er den Besatzern nicht einmal so verbittert gegenüber eingestellt wie seine Frau. Immerhin sind das auch nur Menschen, die Befehle befolgen. Er grollt viel mehr den Mainzern, die so schnell aufgegeben haben, aber auch denen kann er es nicht so richtig übel nehmen. Wo hin also mit dem heimlichen Ärger, der beständig an ihm nagt?
Er geht nicht viel aus, aber Zuhause fühlt er sich wohl. Mit seinem Schwager, dem Arzt, kommt er gut zurecht, die beiden spielen oft Stunden lang schweigend Schach und er hat nicht das Gefühl, seinen Ärger über die Besatzer ständig auszudrücken, wie seine Frau es fordert.
Auch er wünscht sich Kinder und es nagt sehr an ihm, dass sie bisher keine bekommen haben. Im Moment sieht alles nicht besonders gut aus, aber er ist niemand, der einfach aufgeben würde.




2.9 Der Hauslehrer - Inkognito verliebt

tollpatschig - schüchtern - zurückhaltend - kann sehr gut Klavierspielen - aber sehr schlecht lesen - bemüht sich um sein Aussehen - behauptet, Waise zu sein - hat Angst vor Autorität - ist stolz auf sein Französisch - und heimlich verliebt in seine Schülerin - schreibt schlechte Liebesgedichte - und braucht Hilfe bei den langen Wörtern - ist arm wie eine Kirchenmaus - gehört dem Geheimbund an - ist mit dem Doktor befreundet

Alter: 22 - 26 Jahre
Tätigkeit: Hauslehrer
Beziehungsstatus: verliebt
Gesinnung: heimlicher Liberalist
Avatarvorschlag: Joe Anderson (aus Becoming Jane)
Stammgesuch: II. Fabrikantenfamilie

Der Hauslehrer, der vor allem die Tochter in Musik und Tanz unterrichtet, ist ein eher unscheinbarer Mensch. Er ist freundlich, etwas naiv, sehr zurückhaltend und stolpert immer über seine eigenen Füße. Dumm ist er aber nicht, denn ein Dummer könnte der Welt nicht so gut vorspielen, jemand zu sein, der er nicht ist. Oder sagen wir lieber: Jemand nicht zu sein, der er ist. Denn er ist der Sohn eines Schankwirktes und einer Wäscherin, die beide regelmäßig in zwielichtige Geschäfte verwickelt sind und nur Ärger bedeuten. Als er fünf oder sechs Jahre alt war, haben ihn die Eltern der Obhut des Klosters übergeben, damit er ihnen nicht mehr auf der Tasche liegt. Das war sein Glück. Er lernte im Kloster einigermaßen lesen und schreiben und sang im Kirchenchor. Als er in den Stimmbruch kam, bestand der Abt darauf, dass er Orgel lerne, um weiterhin dem Chor nützlich sein zu können. Erst als die Französische Revolution kam, änderte sich das. Erstens kam der Junge, der keineswegs an das Kloster gebunden war, weil er kein Mönch sondern nur Laienbruder werden sollte, mit liberalem Gedankengut in Berührung. Und zweitens wurden nach der ersten Niederlage der Mainzer die Klöster schlichtweg aufgelöst. Der junge Mann, der nun auf der Straße saß, wurde von den Ideen der Mainzer Republik mitgerissen und verdingte sich zugleich als Hauslehrer. Dazu gehört schon was. Er fand Freunde wie Georg Forster und den Doktor, dessen Nichte er nun unterrichtet. Diese unterstützten ihn, eine Anstellung zu finden, aber natürlich bekommt der Sohn eines Wirtes, noch dazu eines Wirtes, der zwischendurch genauso gut als Leichenfledderer und Schmuggler bezeichnet werden kann, niemals eine Anstellung. Deswegen behauptet er seit vielen Jahren, der Sohn eines Kaufmanns zu sein, der an Tuberkulose gestorben war. Seitdem bemüht er sich, den Anschein eines Bürgersohnes zu machen. Aber es mangelt ihm doch an der nötigen Bildung und den Umgangsformen, sodass er ständig auf der Hut ist. Nicht einmal der Doktor kennt die Wahrheit.
Umso schlimmer, dass er sich ausgerechnet in die Tochter des Hauses verliebt hat, der er Unterricht gibt. Seit Monaten schwebt er auf Wolke sieben und kann nicht anders, als sie heimlich anzuschmachten. Aber wie könnte er auch nur davon träumen, ihr seine Gefühle zu gestehen? Davon abgesehen, dass seine Eltern noch leben und ihn immer wieder in peinliche Situationen bringen, träumt sie, wie er weiß, von einem reichen Märchenprinzen, nicht von einem armen Bettelmönch.
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